• DE
  • EN
RLP

21.09.2011

„Man muss erinnern, sich erinnern!”

"Man muss erinnern, sich erinnern!" 300 Teilnehmer bei Gedenkfeier in Hinzert Rund 300 Teilnehmer, darunter viele Luxemburger, Franzosen und Polen, konnte Dr. Dieter Schiffmann, der Direktor der Landeszentrale für politische Bildung, am vergangenen Samstag, dem 17. September, im Dokumentations- und Begegnungszentrum Hinzert zur jährlichen offiziellen Gedenkfeier begrüßen. Ein solcher Tag ist für ihn als Fixpunkt wichtig, um innezuhalten, die Erinnerung an die Opfer zu bewahren und sie dem Vergessen zu entreißen. Zugleich sah er die Veranstaltung als deutliches Signal gegen den gleichzeitg stattfindenden Aufmarsch der Ewiggestrigen in Trier. Auch dankte er ADD-Präsident Dr. Josef Peter Mertes, der Ende des Monats in den Ruhestand geht, für seine langjährige Unterstützung der Gedenkstätte und des Dokumentationszentrums, für das er sich bereits als Landtagsabgeordneter engagiert hat.

Jean Luc Blondel bei seiner Gedenkansprache (Foto: Seimetz)

Die Gedenkansprache hielt Jean Luc Blondel, der Direktor des Internationalen Suchdienstes in Bad Arolsen. Hier lagern rund 30 Millionen Dokumente mit den Schicksalen von mehr als 17 Millionen Menschen, Zeugnisse der Barbarei, der Vertreibung, der Entrechtung und des Völkermordes. Hier wurden Fotoalben von Hinzerter SS-Leuten gefunden (RuH berichtete), und die Gedenkstätte arbeitet mit Bad Arolsen zur Zeit intensiv beim Thema "Eindeutschung polnischer Zwangsarbeiter" zusammen.
"Sollen wir uns erinnern? Sollen wir nicht besser das Vergangene vergessen und in die Zukunft schauen?" Auf diese oft gestellten Fragen gibt es für Jean Luc Blondel nur eine Antwort: "Ja, man muss erinnern, sich erinnern! Man muss die Namen und das Andenken der Opfer bewahren, deren Leiden gezeigt hat, wie schwierig es ist, für Frieden und Verständigung zu sorgen, Folter und Erniedrigung zu verhindern, auch heute." Ähnlich formulierte es Jean-Michel Roth von der französischen "Stiftung für das Gedenken an die Deportation". Er hält das Erinnern für wichtig "für eine Welt der Gerechtigkeit, des Friedens und der Toleranz, in der Antisemitismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus keinen Platz haben dürfen".
Polnische und deutsche Schüler haben in den letzten Tagen mit ihren Lehrern Osthofen, Hinzert und eine KZ-Gedenkstätte in Polen besucht. Sie präsentierten die Ergebnisse ihrer Arbeit, die in ihnen den Wunsch nach der Erhaltung und Fortführung der Gedenkstättenarbeit geweckt hat. Für die musikalische Umrahmung der Feier sorgte die hervorragende Vibraphon-Spielerin Leonie Klein. Pfarrerin Heike Diederich und Kaplan Michael Pauken mahnten zu Tagen des Innehaltens, des Mitfühlens, der Einkehr und des Gedenkens und sprachen Gebete für den Frieden in der Welt. Die Veranstaltung fand ihren Abschluss mit der Kranzniederlegung am Mahnmal von Luc Wercollier.