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16.07.2013

Tagung: "Germanische Mythologie und Rechtsextremismus" am 22. und 23. November in Worms und Osthofen

Welche Bilder und Vorstellungen der germanische Mythologie kursieren? Wo sind die Wurzeln dieser? Wie werden sie tradiert, verändert und durch die rechtextreme Szene missbraucht? Wie sind die Auswirkungen vor allem auf Jugendliche und deren Identitatäsbildung? Diese und weitere Fragen sollen im Laufe der Tagung beantwortet werden.

Schon Tacitus hatte seine durch die römischen Caesaren verratenen republikanischen Ideale in die barbarischen Germanen hineingeträumt. Und die Germanen unterschieden sich über Jahrhunderte in den Bildern der Überlieferung kaum von den Kelten, die erst nach dem mörderischen Versagen der Deutschen an der Aufgabe der Humanität im Nationalsozialismus zu deutschem Ahnenersatz wurden. Noch Friedrich Engels arbeitete 1848 mit dem Positivbild des roten Siegfried für die Rebellen: „Wir wollen hinaus in die freie Welt. Für Riesen und Drachen haben die Philister auch gesorgt, namentlich auf dem Gebiete von Kirche und Staat.“ Die Republik verliert ein Jahr später in Deutschland. Es bleibt nur der ins Nationalistische gewendete Einheitsbegriff, dessen Begeisterungspotenzial von den politischen Eliten ins Dunkel von Rassismus und Chauvinismus umgelenkt und als Energieabfuhr für die am industriellen Alltag erkaltenden Gemüter genutzt wird. Die Germanen mutieren von republikanischen Hippies zu gefühllosen Panzerkriegern, die nur noch in den Tod verliebt sind, nicht zuletzt eine Reaktion auf die Erfahrung junger Männer im ersten Weltkrieg. Während der hochmittelalterliche Autor des Nibelungenlieds den selbstverschuldeten Untergang der Burgunder eher als Warnung denn als Vorbild inszeniert, macht Göring daraus seine verlogene Stalingradpropaganda: Krieg wird total. Solche Gewaltphantasien sind es auch, die rechtsextremistische Mentalität heute speisen und am Ende zu Mord und Totschlag führen. Dafür müssen immer wieder Bilder und Namen der germanischen Mythen herhalten. Was wir heute überhaupt von den Germanen wissen, was da wie verknüpft wird, mit welchem Recht, was dem historisch entgegensteht, welche Alternativen es gibt – das wird Gegenstand dieser Tagung sein.

(Volker Gallé, Vorsitzender der Nibelungenliedgesellschaft)

Flyer zur Tagung (.pdf/2.456 KB)

Einführung und Eröffnungsvortrag:

Freitag, 22.11.2013, 20 Uhr, Wormser Tagungszentrum (Rathenaustraße 11)

  • Volker Gallé (Worms), Begrüßung und Einführung ins Tagungsthema
  • Prof. Georg Schuppener (Erfurt): Mit Odin für Volk und Vaterland – der Missbrauch germanischer Mythologie im Rechtsextremismus

Tagung:

Samstag, 23.11.2013, 9 bis 13 Uhr, Gedenkstätte KZ Osthofen (Ziegelhüttenweg 38)

  • Prof. Rudolf Simek (Bonn), Germanische Mythologie – Forschungsstand und aktuelle Rezeption am Beispiel der rechten Szene
  • Prof. Burckhard Dücker (Heidelberg), Zum Traditionsrahmen aktueller Symbole und Rituale rechtsextremer Organisationen
  • Martin Langebach (Düsseldorf), Germanische Mythologie in der rechten Musikszene
  • Prof. Franz-Josef Röll (Darmstadt), Zur Funktion und Bedeutung von Mythen für die Identitätsbildung von Jugendlichen
  • Dr. Sebastian Winter (Bielefeld), Sozialpsychologie rechtsextremer Jugendlicher

Veranstalter:

Nibelungenlied-Gesellschaft Worms e.V. in Kooperation mit Nibelungen-museum Worms, Stadt Worms, Landeszentrale für politische Bildung, Förderverein Projekt Osthofen e.V

Informationen unter www.projektosthofen-gedenkstaette.de

Anmeldung:

info@projektosthofen-gedenkstaette.de, Tel. 06242-910825 (Ramona Dehoff)