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RLP

22.09.2010

18. September 2010 "Internationale Jahresgedenkfeier"

"Gemeinsames Erinnern ist der beste Friedensstifter"
Erstmals polnisch-deutsche Erinnerungsfeier in Hinzert. Wie alljährlich fand vergangenen Samstag in der Gedenkstätte SS-Sonderlager / KZ Hinzert durch die Landeszentrale für Politische Bildung Rheinland-Pfalz eine Erinnerungsfeier statt. Mit einer Delegation aus dem polnischen Oppeln gedachte man der Opfer des Naziterrors. Junge Rheinland-Pfälzer trugen ihre "Gedanken zum Gedenken" vor.

Delegation auf dem Weg zur Kranznieder- legung am Hinzerter Kreuz. Foto: © LpB

Zeitzeugen Peter van Toor und Jacques Kroon (v.l.n.r) Foto: © LpB

Jugendliche beim Vortragen ihrer "Gedanken zum Gedenken" Foto: © LpB

Eines machte Dr. Dieter Schiffmann der Direktor des Landeszentrale für Politische Bildung Rheinland-Pfalz in seiner Begrüßungsrede deutlich: "71 Jahre nach Errichtung des SS-Sonderlagers ist die Aufarbeitung dessen Geschichte, aber auch die der Häftlinge noch nicht abgeschlossen".

Schiffmann erklärt den ca. 200 Gästen, dass eine besondere Häftlingskategorie die so genannten "Eindeutschungspolen" waren. Das waren polnische Zwangsarbeiter, die ein verbotenes Verhältnis zu einer deutschen Frau unterhalten hatten und nicht wie üblich mit dem Tode bestraft wurden, sondern zur Überprüfung ihrer "Eindeutschungsfähigkeit" in Hinzert gefangen gehalten wurden. Es gibt Unterlagen, dass fast 1000 Gefangene von diesem unmenschlichen und rassistischen Denken der Nationalsozialisten betroffen waren.

Das erklärt, dass Halina Bilik, Bildungskuratorin der Verwaltung aus der Region Oppeln (Wojwodschaft Opole), die Gedenkrede anlässlich der jährlichen Erinnerungsfeier in Hinzert gehalten hat.

Die polnische Politikerin betonte, dass Orte wie Hinzert wichtig seien als Warnung für die Welt, damit sich solche schreckliche Ereignisse nie mehr wiederholen werden. Ein sehr wichtiges Element sei es, so Bilik, dass junge Menschen auf Symptome der Intoleranz, Fremdenhass und nationalistische Ideologien an solchen Orten hingewiesen werden. Eindringlich ihre Worte: "Wir werden uns bei dem Gedenken über diese verbrecherischen Ereignisse, ohne Hass und Rachegefühle, an den Gräbern versöhnen. Dies wird zu einer gemeinsamen verantwortlichen Arbeit für den Frieden führen".

Ebenso beeindruckend waren die "Gedanken über das Gedenken" von vier jungen Rheinland-Pfälzern, die zusammen mit Jugendlichen aus der Ukraine und aus Polen an einem "Workcamp" im polnischen Lambinowice (Lambsdorf) teilgenommen haben. Ein prägnanter Satz eines Jugendlichen brachte es auf den Punkt: "Gemeinsames Erinnern ist der beste Friedensstifter".

Der Niederländer Peter von Toor ist ein Zeitzeuge, der über die Zustände im Lager Hinzert berichten kann. Bei seiner Flucht im Februar 1945 in sein Heimatland habe er ungeheures Glück gehabt, aber auch deutsche Bürger hätten ihn unterstützt, so der rüstige 87-Jährige.

Die Gedenkfeier endete mit der Kranzniederlegung an den Kreuzen der Gedenkstätte von Hinzert.