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RLP

28.04.2011

Vortrag: Die Konzentrationslager in der "Endphase"

Interessante und erschütternde Dokumente aus dem KZ Hinzert.
Historiker zeigt neu entdeckte Fotoalben der Täter

Stefan Hördler bei seinem Vortrag. Foto: Seimetz

Stefan Hördler daneben Dr. Beate Welter. Foto: Seimetz

Bildvortrag - Sporenberg und Pister (links). Foto: Seimetz

Dr. Beate Welter, die Leiterin des Dokumentationszentrums in der Gedenkstätte Hinzert, freute sich am Dienstag, dem 12. April, etwa 30 historisch Interessierte in ihrem Haus begrüßen zu können. Als Gastreferent hieß sie den Berliner Historiker Stefan Hördler willkommen. Dieser hat seine Diplomarbeit über das Frauen-KZ Ravensbrück geschrieben. Für seine Dissertation konnte er ein knappes Jahr am Holocaust-Museum in der US-Hauptstadt Washington forschen. Dort waren bisher unbekannte Fotoalben von ehemaligen SS-Angehörigen aufgetaucht. Amerikanische Soldaten hatten diese nach dem Krieg mitgenommen, und nach deren Tod waren sie dem Museum übergeben worden. Der Internationale Suchdienst in Bad Arolsen half ihm bei der Zuordnung nach Hinzert. Die Alben enthielten nämlich zahlreiche Fotos der beiden wichtigsten ehemaligen Kommandanten des Konzentrationslagers Hinzert, Hermann Pister, der das Lager von 1940 bis Anfang 1941 leitete, und  Paul Sporrenberg, Kommandant von Mitte 1941 bis zur Auflösung Anfang März 1945.

Hördler informierte zunächst über die Beziehungen der SS-Mitglieder untereinander. Viele bildeten bereits in der Weimarer Zeit eine veschworene Gemeinschaft, wie sich aus Fotos ersehen lässt, auf denen verschiedene spätere SS-Größen gemeinsam abgebildet sind, wie z. B. der spätere Auschwitz- Kommandant Höß. Diese Gruppen hielten engen Kontakt und festigten ihre Machtstellungen gemeinsam. Auf die letzten 12 Monate des 2. Weltkrieges entfielen, wie Stefan Hördler herausgefunden hat, etwa 50 % aller KZ-Toten. Manche KZ wurden zu großen Rüstungsfabriken ausgebaut, wie z. B. Mittelbau Dora im Harz mit seiner Raketenproduktion, andere dagegen wurden zu „Sterbelagern”. In Mauthausen, Sachsenhausen, Ravensbrück, Stutthoff und anderen wurde ähnlich gezielt gemordet wie in Auschwitz. SS-Mordspezialisten wurden dazu gezielt versetzt. Einige Fotos liefern auch hierfür Beweise, die bisher aus der Aktenlage nicht erkennbar waren.

Eines der Alben, das „Pister-Album”, war ein Geschenk der Untergebenen an ihren Chef. Es enthält verschiedene in Hinzert entstandene Fotos, z. B. Hermann Pister 1940 mit Häftlingen, von einem nicht mehr zu datierenden Besuch des Reichsführers SS Heinrich Himmler oder mit Paul Sporrenberg von 1944. Pister war damals zum Aufseher über die KZ in der südlichen Reichshälfte aufgestiegen. Viele Fotos geben lediglich interessante Einblicke in das Privatleben der SS-Leute oder sind Gruppenbilder mit „Kameraden”. Aber es gibt auch die anderen, die erschütternden Dokumente, ohne jedes Unrechtsbewusstsein von grausamen Ereignissen gemacht.
Ein SS-Mann hat zu einem solchen Foto eine gepresste Blume geklebt und dazu geschrieben: „Diese Blume musste mir ein Jude pflücken, bevor ich ihn erschoss.”